Mit frischen Inspirationen und außergewöhnlichen Praxisbeispielen zur Digitalisierung hat es Innovationsblogger Gerriet Danz geschafft, die Teilnehmer – auch nach sieben Stunden aufmerksamen Zuhörens und aktiven Connectens – bis zur letzten Minute seines Vortrags in den Bann zu ziehen. Kein Wunder, denn seine „Expedition Innovation“ war wirklich beeindruckend. Solch exklusive Einblicke aus dem Silicon Valley erhält man nicht alle Tage – und auch die Art und Weise, Dinge miteinander zu verknüpfen und dadurch Innovationen zu schaffen, hat mit Sicherheit Viele zum sofortigen Ausprobieren angeregt. Eine kleine Zusammenfassung aufschlussreicher 76(!) Minuten...


Was hat ein Kinderspielzeug mit der Digitalisierung zu tun? Das hat sich wohl der ein oder andere während der einleitenden Worte von Gerriet Danz gefragt. Sehr viel sogar – denn auch Kinderspielzeug verändert sich und passt sich den aktuellen Gegebenheiten an. Oder spielt Ihr Kind heute noch mit dem Telefon auf vier Rädern und einer Drehscheibe? Wohl eher nicht. Stattdessen wächst die Aufmerksamkeit für Smartphones und Tablets schon bei den Kleinsten. Das Kinderspielzeug ähnelt heute also eher einem Handy als einem – ja, mittlerweile durchaus nostalgischen – Telefon. Die Frage, die sich bei alledem stellt, ist: Sind wir neugierig und haben wir Lust auf Wandel und Neuerungen?

Wenn schon die Kleinsten eine so große Neugierde für Innovationen wecken – dann sollte unsereins doch erst recht interessiert sein, oder? So manch einer wird sich vielleicht denken: „Et hätt noch immer jot jejange“ – doch dieses rheinische Grundgesetz ist im Hinblick auf Zukunft und Digitalisierung wohl eher nicht der Schlüssel zum Erfolg. Denn wie sollen wir Innovationen zulassen, geschweige denn kreieren, wenn wir glauben würden, dass es uns ohne Wandel in den nächsten zehn Jahren noch genauso gut geht?

Zugegeben, die Zukunft ist ein reines Glaskugel-Gucken. Heutzutage ist für uns alle selbstverständlich, das Smartphone jederzeit am Mann (oder an der Frau) zu haben. Doch als Apple im Jahr 2007 das erste iPhone auf den Markt gebracht hat, konnte Steve Jobs auch nicht vorhersagen, dass er damit die ganze Welt in einem unfassbaren Ausmaß revolutioniert. Spannend ist dabei auch zu sehen, dass Innovationen oft nicht aus dem Wettbewerbsumfeld stammen, aus denen man sie erahnen würde. Die „Neuen“ sind plötzlich einfach da, mit einer richtig guten Idee – und die Leute lieben sie. Um bei dem Smartphone-Beispiel zu bleiben: Vor 12 Jahren hätten wohl alle gedacht, so eine Innovation käme von Nokia...

Wandel ist also wichtig und entscheidet oftmals über die Überlebensfähigkeit von Unternehmen. So auch bei Netflix. Wussten Sie, dass sich das Unternehmen in 20 Jahren ganze 4 Mal neu erfunden hat? In den Anfängen 1997 wurden DVDs per Post verschickt und verliehen, was später durch die Download-Option abgelöst und vereinfacht wurde. Kurz darauf war Streaming das neue Maß der Dinge. Großes Manko dabei: Netflix konnte damit keinen großen Umsatz erzielen – einzig die Content-Produzenten haben das große Geld verdient. Also hat sich Netflix dazu entschieden, den Content selbst zu produzieren – und ist damit sehr erfolgreich.

Netflix hat demnach verstanden, wie Digitalisierung funktioniert. Aber auch andere Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen machen sich die Digitalisierung zunutze. Wie? Einfach durch gute Ideen, die viral eine unfassbar starke Aufmerksamkeit erfahren. Als Beispiel nennt Gerriet Danz hier ein 3-Sterne-Hotel in Los Angeles, das auf Tripadvisor auf Platz 5 der bestbewerteten Hotels zu finden ist – umgeben von lauter 5-Sterne-Hotels. Wie geht denn sowas? Die Antwort: Marken müssen tolle Momente schaffen. Das Hotel hatte die geniale Idee einer „Popsicle Hotline“. Haben die Kinder Lust auf ein Wassereis, können sie sich ihre Lieblingssorte direkt über das stationäre Telefon am Pool bestellen. Die Übergabe des Wassereis wird durch das Hotelpersonal dann außerordentlich zelebriert. Die Kinder sind überglücklich und vor allem beschäftigt – somit haben die Eltern ruhige Momente und sind ebenfalls überglücklich. Diese Idee kommt bei den Gästen so gut an, dass sie das Hotel auf den Online-Plattform außerordentlich gut bewerten und weiterempfehlen. Digitalisierung als Mittel zur Verbreitung von echten Nutzererlebnissen – auch eine gute Möglichkeit.

Was Gerriet Danz mit all seinen Beispielen ausdrücken will, ist klar: Wandel entscheidet über Erfolge, Disruption kommt oftmals von der Seite und man kann sich die Digitalisierung auf unterschiedliche Art und Weise zunutze machen. Eigentlich einleuchtend – doch welche Faktoren spielen dafür eine Rolle und wie schaffe ich Innovationen?

1. Kreativität
Jeder ist kreativ. Und da wären wir wieder beim Kind... Denn schon in jungen Jahren haben wir gebastelt, getanzt, Dinge ausprobiert. Und sind wir z. B. heute auf der Suche nach einem Plan B, durchlaufen wir auch einen kreativen Prozess: Ideenreich sind wir genau dann, wenn wir Dinge NEU miteinander verknüpfen. Kopieren wir allerdings Ideen, hat das nichts mehr mit Kreativität zu tun.
Eine schöne Anekdote liefert Danz mit der Entwicklung der ersten, bunten iMacs. Während eines Betriebsausflugs in die Jelly Belly Produktion (ja, das sind die kleinen, bunten Süßigkeiten in Kidneybohnen-Form) entstand die Idee bunter Computer, die Apple ohne diesen auf den ersten Eindruck eher skurrilen Ausflug vermutlich nicht gehabt hätte. Eine interessante Vorstellung...

2. Kollaboration
„Miteinander sprechen“ – magische Worte, wenn es um Neurungen geht. Unternehmen bestehen oft noch aus vielen Silos. Eine abteilungsübergreifende Kommunikation fehlt. Wie soll man da voneinander lernen? Netzwerken, sich austauschen und dadurch seinen Horizont erweitern – dadurch können sich neue Wege erschließen.

3. Entspannung
Eine glorreiche Idee entsteht in den wenigsten Fällen im dunklen Büro-Kämmerlein. Die Idee für Disneyland kam Walt Disney z. B. auf einer Parkbank, während er seinen Kindern beim Spielen zuschaute... noch Fragen?


4. Diversität
Wenn unterschiedliche Personen aufeinandertreffen, können sie von den Erfahrungen und Einstellungen der jeweils anderen Personen profitieren. Jung und alt, hip und erfahren – Wenn sich jeder mit seinem speziellen Blick auf die Dinge, seiner Kreativität und seinen Interessen für bestimmte Thematiken einbringt, entsteht Neues.

5. Fehlerkultur
Im Innovationsprozess sind Fehler erlaubt – ja sogar erwünscht. Denn nur wenn Dinge ausprobiert werden, können wir daraus lernen und Rückschlüsse ziehen. Und natürlich mündet nicht jeder Versuch in DEM ultimativen Produkt, das am Markt gehypt wird. Fehler sind wichtig. Das zeigt auch die Tata-Gruppe, die den produktivsten Fehler jährlich mit einem Geldbetrag kürt...

6. Freiheit
Unternehmerisches Denken und Handeln bedeutet ein Stück weit, den Mitarbeitern Freiheiten zu lassen. Durch Selbstverantwortung und Vertrauen erhält man das gute Gefühl, etwas bewegen zu können. Man muss sie also nur lassen...

Adobe löst diesen Gedanken auf ganz interessante Art: Jeder Innovator erhält bei Unternehmenseintritt die sog. Adobe Kickbox. Neben Schokolade und einem Starbucks-Gutschein befindet sich dort auch eine Prepaid-Kreditkarte mit einem Guthaben von 1.000 USD. Dieses Guthaben darf jeder Innovator individuell einsetzen, um Inspirationen für neue Idee zu schaffen – dadurch steigern sich die Ideen für Innovation um ein Vielfaches.

„Expedition Innovation ist der tägliche Arbeitsweg“ – mit diesem Satz beendet Gerriet Danz seinen Innovations-Reisebericht. Wenn wir es schaffen, Dinge miteinander zu verknüpfen, schaffen wir Innovationen.

Falls also morgen früh jemand an der Ampel nicht wunschgemäß startet, ist es vielleicht einer unserer Danz-Zuhörer, der gerade seine Gedanken zu einer neuen, digitalen Geschäftsidee knüpft.